Vase aus ziseliertem Kupferblech 

Einblicke in die Allianz-II-Sammlungsforschung

In der Reihe ForschungsGegenstand stellen wir die in  der BMBF- Förderlinie „Vernetzen – Erschließen – Forschen. Allianz für Hochschulsammlungen II“ geförderten Projekte vor und geben Einblicke in deren Arbeit. Die Koordinierungsstelle unterstützt die Forschungs- und Verbundprojekte im Rahmen eines wissenschaftlichen Begleitvorhabens und trägt dazu bei, dass das Gesamtnetzwerk der wissenschaftlichen Sammlungen von der Arbeit und den Ergebnissen der Allianz-II-Vorhaben profitiert.

Bei diesem ForschungsGegenstand handelt es sich um eine Vase aus ziseliertem Kupferblech von Ludwig Vierthaler. Vorgestellt wird die Vase von Tabea Schmid, die im Projekt „KUPFER. Die Lehrmittelsammlung der Kunstgewerbeschule Pforzheim zwischen Medienarchäologie und Innovationstransfer“ das Teilprojekt II verantwortet. Sie geht darin den Anverwandlungen der Lehrmittelsammlung im Kontext der Kunstgewerbeschule auf die Spur.

Vase 1054 E, Inv-Nr. II.2269, Foto: Harald Koch

Was wissen Sie über das Objekt?

Die Vase “1054 E(Inv.-Nr. II.2269) von Ludwig Vierthaler (1875–1967) wurde 1906 auf der 3. Deutschen Kunstgewerbeausstellung in Dresden von der Kunstgewerbeschule Pforzheim  erworben. „Eleganz, die aus Schwere und Grazie erwächst[1] – so charakterisierte Hans Kaiser im Jahr 1914 das Œuvre von Vierthaler. Und so lässt sich auch die große Vase aus ziseliertem Kupferblech mit grün emailiertem Echsenmotiv beschreiben.

Was wissen Sie über den Hersteller des Objekts?

Der Urheber der Vase, der Münchner Metallbildhauer Ludwig Vierthaler, hatte sich zuvor in unterschiedlichen Zentren der angewandten Kunst profiliert: zunächst als Bronzegießer und Silberschmied bei J. Winhart & Co. in München, später als Mitarbeiter in der Metallwerkstätte von Tiffany & Co. in New York, schließlich als Schüler an der Kunstgewerbeschule München.[2] Nach Stationen im Atelier von Bruno Paul und bei der Porzellanmanufaktur Rosenthal wurde er Professor an der Städtischen Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Hannover.

Vierthalers frühe Formensprache bewegt sich zwischen japanischen Einflüssen und den von Ernst Haeckel gezeichneten Naturstudien der „Kunstformen der Natur“ (1899–1904).[3] Seine Entwürfe verbinden vegetabile und zoomorphe Ornamente mit technisch disziplinierten Oberflächen und klar konturierten Formen.

Wozu dient(e) das Objekt im Kontext der Sammlung?

Mit Lehrmitteln wie dieser Vase eröffnete die Kunstgewerbeschule Pforzheim ihren Studierenden nicht nur technische Horizonte, sondern auch ästhetisches Niveau. Ein ähnlich zoomorphes Dekor findet sich in dem Buchdeckel wieder, den ein Schüler der Metallfachklasse von Adolf Schmid gefertigt hat – möglicherweise inspiriert durch eben diese Vase und abgebildet in der Deutschen Goldschmiede-Zeitung im Jahr 1911. Als Exponat im schuleigenen Museum war die Vase zudem der Öffentlichkeit zugänglich.

Man könnte meinen: Eine Vase bleibt eine Vase. Doch im Kontext der Kunstgewerbeschule wird sie zum Medium – für Stilbildung, Materialpraxis, ästhetische Urteilsbildung. Lehrmittel hinterlassen Spuren in Händen, Blicken und Entwürfen kommender Generationen.

Metallobjekte von Winhart & Co nach Entwürfen von Ludwig Vierthaler, in: Fritz Schumacher, Das deutsche Kunstgewerbe 1906, München 1906, hier S. 248 (Ausschnitt)

[1] Hans Kaiser, „Ludwig Vierthaler“, in: Die Kunst. Monatshefte für freie und angewandte Kunst (1914), 409-411, hier S. 409

[2] Kathryn B. Hiesinger, Die Meister des Münchner Jugendstils, München 1988, S. 164-165

[3] Nikolai Stula, Ludwig Vierthaler (1875-1967). Leben und Werk. Bonn 1998, S. 18–19

Zur Person
Tabea Schmid ist als akademische Mitarbeiterin im Projekt Projekt „KUPFER – Die Lehrmittelsammlung der Kunstgewerbeschule Pforzheim zwischen Medienarchäologie und Innovationstransfer“ an der wissenschaftlichen Erforschung der Lehrmittelsammlung und ihrer sammlungspraktischen Erschließung beteiligt. Ihr Teilprojekt zu Transfers zwischen Kunstgewerbeschule und lokaler Edelmetallindustrie versteht sie aus designwissenschaftlicher Perspektive auch als Chance, Zeitsprünge zu wagen, um der „latenten Geschichtsvergessenheit“ (Mareis 2016) der Disziplin Design entgegenzuwirken und umgekehrt die Relevanz von Historizität zu reflektieren.

Zum Projekt
Das Projekt „KUPFER – Die Lehrmittelsammlung der Kunstgewerbeschule Pforzheim zwischen Medienarchäologie und Innovationstransfer“ befasst sich mit der Lehrmittelsammlung an der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim. Die Sammlung steht sowohl für eine weltweit ausstrahlende Designausbildung als auch für internationale Wirtschafts- und Gesellschaftsgeschichte. Teilprojekt I widmet sich der Lehrmittelsammlung aus wissenssoziologischer, epistemologischer und medienarchäologischer Perspektive. Forschungsfragen sind die Epistemologie des Modellgebrauchs, das Zusammenspiel von Kunst und Handwerk in den Werkstätten sowie didaktische Innovationen und die Einrichtung eines eigenen Museums für die Lehrmittelsammlung. Teilprojekt II untersucht die Sammlung in einer transfer- und innovationspraxeologischen Perspektive. Gefragt wird nach den historischen Berührungspunkten der Kunstgewerbeschule mit der globalen Schmuckindustrie.

Zur Beitragsreihe ForschungsGegenstand
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Gastautor_in (13. Januar 2026). Vase aus ziseliertem Kupferblech . Sammeln. Abgerufen am 19. August 2026 von https://doi.org/10.58079/15ifh


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